120 Besucher bei unserer Diskussion zur Postwachstumsökonomie

Podiumsdiskussion

Mehr als 120 aufmerksame Zuhörer verfolgten unsere Veranstaltung unter dem Titel „Sind wir wirklich noch zu retten“ am 6. März 2012. Mit erfrischender Lockerheit beim Vortrag und in der Diskussion verbanden der Ökonomieprofessor Dr. Niko Paech, der Leiter des Wuppertal Instituts, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, und der Ökologe Dr. Daniel Dahm, das eher sperrige Thema „Postwachstumsökonomie“ mit Spaß und positiver Energie.

Schrumpfung bedeutet Gewinn, Entrümplung ist angesagt: Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.

In einer Wohlstandsgesellschaft, in der ein Durchschnittsmensch 10.000 Gegenstände sein Eigen nennt ist Wachstum kein Weg zur Steigerung des Wohlbefindens. Im Gegenteil: Kaufen hält uns davon ab, das zu genießen, was wir bereits besitzen.

 

Die Vorstellung, Wirtschaftswachstum sei ein Mittel zur Lösung unserer aktuellen Probleme, sei irreal, behauptete Paech in seinem Vortrag: Der „unerschütterliche Glaube an die märchenhafte Expansion der Dinge“ müsse scheitern. Nicht nur beim Öl sei der Höhepunkt der Förderung erreicht. Auch bei den meisten anderen Rohstoffen ließe sich diese kaum noch steigern. Steigerungen, wie etwa bei den Ölsanden oder den „seltenen Erden“, verursachten exponentiell steigenden Umweltschäden.

Den Hoffnungen, technologische Entwicklung sei ein Weg in die ökologische Nachhaltigkeit, erteilte er eine deutliche Absage: Jede Ökonomische Aktivität bewege sich zwischen zwei Polen: des Verbrauchs von Ressourcen und der Produktion von Abfall. Am Beispiel des Energiesektors machte er deutlich, das Grünes Wachstum nur möglich ist, wenn die Umwelt schädigende, fossile Energieerzeugung beibehalten wird. Ohnehin mache der Reboundeffekt fast alle Einsparungseffekte des „technischen Fortschritts“ wieder zunichte.

Immer längere Wertschöpfungsketten einer globalisierten Produktion führten dazu, dass immer mehr Unternehmen, um ihre Existenz zu sichern, Gewinne anhäufen müssten. Die Nähe von Produzent und Verbraucher sei ein Schlüssel für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Teilen und gemeinsame Nutzung könne den Ressourcenverbrauch um ein Vielfaches senken und fördere gleichzeitig verloren gegangene soziale Kompetenz. Marktökonomie habe weiterhin ihren festen Platz. Für mehr Wohlstand brauche es aber nicht immer mehr Wachstum. Darauf habe schon Prof. Dr. Ludwig Erhard hingewiesen.

Von der Tätigkeit der Enquetekommission des Deutschen Bundestages „Wachstum und Wohlstand“ berichtete Uwe Schneidewind. Das Thema werde durch das gesamte Parteienspektrum hindurch kontrovers geführt. Während manche im linken Spektrum kaum bereit wären, jenseits des Wachstums zu denken, wären Konservative häufig überrascht, dass der Wachstumskritiker Niko Paech in manchen Dingen ihre Vorstellungen teilen würde.

Die Resonanz auf die Veranstaltung war durchweg positiv. Einige Erfolg versprechende Anknüpfungspunkte, das Thema weiter zu vertiefen, haben sich bereits ergeben. - Wir bleiben dran.

Folien von Niko Paech

Enquete Kommission des Deutschen Bundestags