7000 Menschen umzingeln Megaschlachthof

Demonstration 31.8.2013

Die Anlage präsentiert sich den Demonstranten wie eine Nuklearfabrik oder Militärfestung: Meterhohe Metallgitterzäune mit Stacheldraht bewehrt, rundum Videoüberwachung, darin ein riesiges fensterloses Fabrikgebäude. Dabei handelt es sich um einen Schlachthof, in dem Lebensmittel für Menschen entstehen. >>>

Europas größter Hühnerschlachthof in Wietze in Niedersachen soll nach dem Willen der Eigentümer noch weiter wachsen, von derzeit 200.000 auf über 400.000 Hühnerschlachtungen am Tag. Dafür wären weitere 250 Massentierställe a 40.000 Tieren notwendig. Doch am 31.8. sind über 7000 Menschen gekommen, um das zu verhindern. Denn neben Tierelend steht der Schlachthof auch für Antibiotikaeinsatz, Dumping-Löhne, Gentechnik-Futter und unmäßigen Ressourcenverbrauch. 3 Wochen vor der Bundestagswahl hat das Bündnis "Wir haben es satt" deshalb hier die Großdemonstration und Schlachthofumzingelung durchgeführt. Info zur Demo

Wir haben mit dem Netzwerk Ökosoziale Entwicklung eine Gruppenfahrt zur Demo gemacht, bei der 35 Menschen aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen mitgefahren sind. Mitgenommen haben sie die Transparente vom March against Monsanto in Düsseldorf. Viele Begegnungen und neue Kontakte sind dabei entstanden.

Netzwerk OESE in Wietze

Mit der Demo hat das Bündnis bewiesen: "Wir können nicht nur Stadt, sondern auch Land", so Christof Bautz von Campact. Vor der Demo in Wietze hatte das Bündnis nämlich schon 3 Großdemonstrationen in Berlin erfolgreich auf die Beine gestellt:

Großdemo am 19.1. 2013 in Berlin

Bei eisiger Kälte kamen Über 25.000 Menschen zur 3. Grossdemonstration in Berlin Ende Januar 2013 für eine Agrarwende, zu der das das Bündnis "Meine Landwirtschaft"  aufgerufen hatte. Das waren am Ende noch mehr als 2012 und 2011.Und sie hatten eine Botschaft an Ilse Aigner.

Während bei der Grünen Woche wieder eine Tieridylle gezeigt wurde, hielten die Demonstranten der Ministerin und der Öffentlichkeit den Spiegel der landwirtschaftlichen Realität vor: Massentierhaltung, Antibiotika und Gensoja im Futter, Vermaisung der Landschaft für Agragsprit und Subventionen die vor allem die Agrarindustrie und Dumping Exporte in Entwicklungsländer fördern.

 

EU-Agrarreform

Dabei stand zunächst die EU-Agrareform weiter im Zentrum. Hier geht es jetzt in die entscheidende Schlussphase, in die sich die Zivilgesellschaft umbedingt noch einbringen muss. Deshalb ist das EU-Parlament gefragt. Landwirtschaftskommissar Cioloş will die Förderung von Großbetrieben begrenzen und Zahlungen an Umweltleistungen koppeln ("Öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen") und erhält dafür von den Demonstranten Lob. Doch die die Regierungen der Mitgliedsländer, allen voran Deutschland, blockieren die Reform unter dem Druck der agrarindustirellen Lobby. 200.000 Unterschriften überreichten die Veranstalter an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf der Grünen Woche zur Unterstützung der Agrarwende

Alternativen

Nach Stärkung durch die von über 300 Aktivisten bei der "Schnippeldisko" entstandene Gemüsesuppe ging die Veranstaltung im Haus der Heinrich Böll - Stiftung weiter mit Details und Strategien der Zivilgesellschaft zur EU-Reform und vielen ermutigenden Beispielen.

Dass eine andere Landwirtschaft möglich ist, zeigte z.B. Daniele Schmdt-Peter aus Brasilien, die das Projekt CAPA zur Schulspeisung aus regionaler biologischer Landwirtschaft vorstellte, ein Parnerorganisation von Brot für die Welt.

Oder das preisgekrönte Schulprojekt "Vom Schulacker auf den Mensatisch“ aus Minden, das von 2 Schülern eindrucksvoll vorgestellt wurde

Eingeladen hatte zur Demo wieder das Bündnis "Meine Landwirtschaft", zu dem sich Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Landwirtschafts- und Verbraucherorganisationen zusammeneschlossen haben.

Auf den Seiten der Kampagne kann man selbst abstimmen, wofür zukünftig Agrarsubventionen gegeben werden sollen: meine-landwirtschaft.de
Bericht und Fotos von der Demonstration auf wir-haben-es-satt.de

Dass Tierhaltung auch anders geht haben wir im Urlaub auf Usedom erlebt, wo 150 Sauen und 10 Eber in Freilandhaltung leben und Ferkel in Bio-Qualität zeugen
Freilandschweine